Das Verfahren LiSe-DaZ

Die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen sind aufgrund von internationalen Vergleichsstudien zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche aus zugewanderten Familien mit oft unzureichenden Kenntnissen der deutschen Sprache im System Schule und Beruf in Deutschland benachteiligt sind. Sprachliche Fähigkeiten nehmen einen zentralen Stellenwert für den Bildungserfolg ein. Sie bilden eine elementare Voraussetzung für die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft.

Die Baden-Württemberg Stiftung misst der Förderung der sprachlichen Bildung und des Spracherwerbs von Kindern im vorschulischen Alter eine besondere Bedeutung bei. Sie hat deshalb das Programm „Sag`mal was“ im Jahr 2002 initiiert. Dabei ist einerseits die alltagsintegrierte, kontinuierliche Sprachbildung als fester Bestandteil im Kindergartenalltag wichtig. Andererseits ist bei Bedarf darüber hinaus die Planung und Durchführung einer spezifischen Sprachfördermaßnahme auf der Grundlage diagnostisch fundierter Einschätzung des Sprachentwicklungsstands sinnvoll. Ein Diagnoseverfahren, das wissenschaftlichen Kriterien standhält und die oben aufgeführte Problematik der Mehrsprachigkeit aufgreift, war bislang nicht verfügbar. Deshalb beauftragte die Baden- Württemberg Stiftung Prof. Dr. Petra Schulz, Frankfurt/Main, und Prof. Dr. Rosemarie Tracy, Mannheim, mit der Entwicklung eines solchen Instruments. Das hieraus entstandene Verfahren ermöglicht durch gezielte Erhebungsmethoden den Sprachstand von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund systematisch zu erfassen und entsprechende Hinweise zur Förderung abzuleiten.
Der Anwendungsbezug der Förderdiagnostik wird von den Autorinnen wie folgt beschrieben:

"Das Verfahren [...] ist ein standardisiertes, normiertes und verlässliches Verfahren zur Ermittlung des individuellen sprachlichen Entwicklungsstands, das in erster Linie für den Einsatz bei Kindern nicht-deutscher Erstsprache entwickelt wurde. Es überprüft das Verstehen und die Sprachproduktion in zentralen Bereichen der deutschen Grammatik […]
LiSe-DaZ wurde ausdrücklich als förderdiagnostisches Verfahren konzipiert: AnwenderInnen sollen auf der Grundlage der Testbefunde, gekoppelt mit den in den theoretischen Kapiteln des Manuals vermittelten Einsichten, dazu befähigt werden, Konsequenzen für die Ableitung von Fördermaßnahmen zu ziehen.[…]
Das Verfahren lässt sich von pädagogischen Fachkräften in alltäglichen Kontexten in Kitas und Schulen sowie im Rahmen von (vor-)schulischen ärztlichen Untersuchungen durchführen. Die eingesetzten Materialien (Bilderbücher, Handpuppe) sind Kindern und AnwenderInnen in der Regel gut vertraut. Der Einsatz von LiSe-DaZ nimmt etwa eine halbe Stunde pro Kind in Anspruch, und für die Auswertung wird von geübten AnwenderInnen ebenfalls etwa eine halbe Stunde benötigt.“

Mit dem Verfahren LiSe-DaZ wird im Wesentlichen eine Diagnose des individuellen Sprachentwicklungsstands von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache (DAZ) und Deutsch als Muttersprache (DaM) erzielt. Darüber hinaus gilt es auf der Grundlage der Ergebnisse gezielt Kinder für die Förderung zu ermitteln und konkrete Förderinhalte abzuleiten. Individuelle Fortschritte können durch Wiederholungsmessungen erfasst werden. Zielgruppe sind vor allem Kinder mit Deutsch als Zweitsprache im Alter von 3,0 bis 7,11 Jahren. LiSe-DaZ testet in sieben Untertests die Produktions- und Verständnisfähigkeit in grammatischen Kernbereichen des Deutschen. Wie bereits oben angeführt, nimmt das Verfahren ca. 20 bis 30 Minuten Test- und etwa  gleichviel Auswertungsdauer in Anspruch. Es kann von pädagogischen Fachkräften, Ärzten und Psychologen durchgeführt werden.

Schulungen zum Einsatz von LiSe- DaZ

Die Baden-Württemberg Stiftung will die Implementierung des in ihrem Auftrag entwickelten Sprachstandserhebungs-verfahren LiSe-DaZ unterstützen. Hierzu bietet sie Schulungen für pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und im weitesten Sinne mit Sprachförderung beauftragte Personenkreise aus Baden-Württemberg an. Um die Nachhaltigkeit zu sichern, sollen insbesondere Zielgruppen mitberücksichtigt werden, die das Instrument einrichtungsübergreifend einsetzen und/oder als MultiplikatorInnen zur Schulung von LiSe-DaZ tätig werden können. Für die unterschiedlichen Zielgruppen mit divergierenden fachlichen Voraussetzungen werden zwei Kurstypen (Typ A und B) angeboten. Die Interessierten sind gebeten, sich entsprechend der Zielgruppen in Kurs Typ A oder Kurs Typ B anzumelden. Die Schulungen zum Einsatz von LiSe- DaZ und die LiSe-DaZ-Boxen sind freiwillige Leistungen der Baden-Württemberg Stiftung. Ein Rechtsanspruch besteht weder auf die Teilnahme an einer Schulung noch auf eine LiSe-DaZ-Box.

Kurs Typ Zielgruppe Dauer Anmeldung
 Kurs Typ A
Für Aus- und Weiterbildungspersonal im Bereich frühkindliche Bildung, Fortbildungskräfte, Fachberatungen u. ä. werden 2-tägige Schulungen angeboten.
Die Teilnahmegebühr beträgt 50,00 €
 2 Tage
 Anmeldeformular
 Kurs Typ B
 Für pädagogische Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen und MultiplikatorInnen von „Sag´ mal was“ werden 2,5-tägige Schulungen angeboten.
Die Teilnahmegebühr beträgt 62,50 €
 2,5 Tage
  

Inhalte der Fortbildungsmaßnahme LiSe-DaZ

Kurs Typ A

In der 2-tägigen Schulung von Kurs Typ A werden theoretische und methodische Grundvoraussetzungen zur Durchführung und Auswertung der Förderdiagnostik „LiSe-DaZ Linguistische Sprachstandserhebung – Deutsch als Zweitsprache“ vermittelt. Am ersten Tag werden die Merkmale sowie Ziele der Förderdiagnostik erläutert und die Durchführung der einzelnen Untertests detailliert und anschaulich beschrieben. In Übungen erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, das Instrument eigenständig zu erproben. Der zweite Tag macht die Teilnehmenden mit der Auswertung der einzelnen Untertests vertraut und ermöglicht ihnen durch die Arbeit mit Beispieldaten dieses Wissen anzuwenden und zu festigen. Der Tag schließt mit der Vermittlung grundlegender Merkmale sprachförderlichen Verhaltens und der exemplarischen Ableitung von Förderinhalten ab.

Kurs Typ B

In der 2,5-tägigen Schulung von Kurs Typ B werden theoretische und methodische Grundvoraussetzungen zur Durchführung und Auswertung der Förderdiagnostik „LiSe-DaZ Linguistische Sprachstandserhebung – Deutsch als Zweitsprache“ vermittelt. Am ersten Tag werden die für die Durchführung von LiSe-DaZ notwendigen grundlegenden Aspekte von Sprache und Spracherwerb vermittelt. Ziel ist es – den Teilnehmenden über ein Grundverständnis zum Aufbau der Sprache hinaus – Wissen zur kindlichen Sprachentwicklung in der Erst- und Zweitsprache für die relevanten sprachlichen Bereiche zu verdeutlichen. Am zweiten Tag werden die Merkmale sowie theoretische und methodische Hintergründe der Förderdiagnostik LiSe-DaZ erläutert und die Durchführung der einzelnen Untertests detailliert und anschaulich beschrieben. Übungen ermöglichen es, die Handhabung des Instruments eigenständig zu erproben, bevor die Teilnehmenden mit der Auswertung der einzelnen Untertests vertraut gemacht werden. Der dritte Tag festigt anhand von Übungen die Auswertung einzelner Untertests mithilfe von Beispieldaten. Abschließend werden grundlegende Merkmale sprachförderlichen Verhaltens vermittelt sowie die exemplarische Ableitung von Förderinhalten und ihre Einbettung in den pädagogischen Alltag erarbeitet.

Anmeldeverfahren

Die Anmeldung zur „LiSe-DaZ“-Schulung erfolgt über das Landesinstitut für Schulentwicklung. Bitte rufen Sie das unten eingestellte Anmeldeformular auf, drucken Sie dieses aus und senden Sie es ausgefüllt an folgende Adresse:

Landesinstitut für Schulentwicklung
Referat 32
Heilbronner Straße 172 • 70191 Stuttgart
Fon +49.711.66 42-32 06 • Fax +49.711.66 42-30 99
info.lisedaz@ls.kv.bwl.de www. ls-bw.de

Downloads und Links

letzte Änderung: 26.01.2012 Seite drucken

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